Einkauf

Clever einkaufen: mit Plan weniger wegwerfen und Geld sparen

· aktualisiert · Arik Wenger · Lesezeit ca. 11 Min.

Clever einkaufen heisst: erst Kühlschrank, Gefrierfach und Vorrat prüfen, dann grob für die nächsten Tage planen und nur kaufen, was auf der Liste steht. So vermeidest du Doppelkäufe und Spontankäufe, die später verderben. Das lohnt sich: Ein Monitoring im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU, 2025) beziffert das Sparpotenzial bei gekauften, aber nicht gegessenen Lebensmitteln auf etwa 500–600 Franken pro Person und Jahr.

Die meisten Menschen bekämpfen Food Waste erst im Kühlschrank. Dabei entscheidet sich vieles schon früher – im Laden. Was du nicht zu viel kaufst, musst du später nicht retten. Diese sieben Gewohnheiten helfen dir, Doppelkäufe und Spontankäufe zu vermeiden – mit einem Beispiel-Wochenplan samt Einkaufsliste und einem Vorrats-Check, der in fünf Minuten erledigt ist.

Food Waste beginnt im Einkaufswagen

Jedes Lebensmittel, das du zu viel kaufst, ist ein zukünftiger Rest. Der Klassiker: Man kauft „auf Vorrat“, mit guten Absichten – und ein Teil davon verdirbt, weil der Alltag anders läuft als geplant. Wie gross die Rolle der Haushalte ist, zeigen die offiziellen Zahlen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich:

LandLebensmittelabfall der Haushalte pro Person und JahrGeldwert pro Person und JahrQuelle
Schweiz80 kg vermeidbare Verluste (2024)etwa 500–600 CHF Sparpotenzial (2017: ca. 620 CHF)BAFU/ZHAW, 2025
Deutschland74,5 kg (2022); Haushalte verursachen 58 % aller Lebensmittelabfällerund 105 € vermeidbar (Hochrechnung für 2022)UBA, 2025; Ministerium Baden-Württemberg
Österreichrund 69 kg, davon rund 37 kg vermeidbar (2024)rund 400 € vermeidbarBMLUK, 2026

Die Länder zählen unterschiedlich: Die Schweiz erfasst nur vermeidbare Verluste und rechnet aus Sicht der Konsumierenden, also inklusive Verlusten im Ausland bei importierten Produkten. Die Werte sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Höhere Beträge, die für Deutschland oft zitiert werden (rund 235 € pro Kopf oder rund 935 € für eine vierköpfige Familie), stammen aus einer Studie der Universität Stuttgart von 2012 und beruhen auf Daten um 2010/2011.

Wo setzt der Einkauf an? Laut einer GfK-Erhebung im Auftrag des deutschen Ernährungsministeriums entfallen 35 % der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Haushalten auf Obst und Gemüse und 13 % auf Brot und Backwaren (Erhebung 2020, BMLEH 2024). Als wichtige Hebel nennt das Ministerium eine bessere Einkaufsplanung und passendere Portionsgrössen. Weniger, dafür gezielter zu kaufen, setzt genau dort an.

Doppelkäufe: Geld für Dinge, die du schon hast

Viele Fehlkäufe entstehen nicht aus Lust auf Neues, sondern aus Unsicherheit. Du stehst im Laden, weisst nicht mehr, ob noch Rahm da ist – und kaufst sicherheitshalber. Zu Hause steht dann der zweite Becher neben dem ersten, und einer davon läuft ab. Besonders leicht passiert das, wenn mehrere Personen einkaufen. Der Schweizer Verein foodwaste.ch rät deshalb ausdrücklich zu einer Einkaufsliste, einer Einkaufs-App oder einem Foto vom offenen Kühlschrank, damit in Mehrpersonenhaushalten keine Doppeleinkäufe entstehen.

Die sieben Gewohnheiten unten haben deshalb ein gemeinsames Ziel: Du sollst im Laden wissen, was du zu Hause hast.

1. Erst den Vorrat checken – dann losziehen

Bevor du eine Liste schreibst, schau nach, was schon da ist. Wie oft landet die dritte Senf-Tube im Wagen, weil man vergessen hat, dass zu Hause schon zwei stehen? Ein kurzer Blick in Kühlschrank, Gefrierfach und Vorrat verhindert genau diese Doppelkäufe. Die Kampagne „Zu gut für die Tonne!“ des deutschen Ernährungsministeriums empfiehlt dazu eine Liste deiner Grundausstattung, getrennt nach Vorratsschrank (etwa Nudeln, Reis, Mehl, Konserven, Öl), Kühlschrank (etwa Eier, Käse, Milch, Butter) und Gefrierfach. Fehlt etwas davon, kommt es auf die Einkaufsliste. Ist es noch da, bleibt es im Regal. Wie du so eine Übersicht aufbaust und aktuell hältst, zeigt der Ratgeber Vorratsliste: Überblick behalten, Doppelkäufe vermeiden.

⏱️ Beispiel: Vorrats-Check in 5 Minuten

So kann ein schneller Check vor dem Wocheneinkauf aussehen. Die Minuten sind Richtwerte aus dem Alltag, keine Norm:

  1. Minute 1–2, Kühlschrank: Was läuft in den nächsten Tagen ab? Das kommt nach vorne und in den Wochenplan. Angebrochenes wie Rahm, Käse oder Gemüse notierst du.
  2. Minute 3, Gefrierfach: Welche Portionen liegen schon da und können eine Mahlzeit ersetzen?
  3. Minute 4, Vorrat: Grundausstattung abgleichen: Reis, Pasta, Konserven, Öl. Nur was wirklich fehlt, kommt auf die Liste.
  4. Minute 5, Liste: Lücken notieren. Bei Produkten, die du gern doppelt kaufst (Senf, Joghurt, Eier), schreibst du die vorhandene Menge gleich daneben.

📱 Vorrat immer dabei

Mit Kühlbär hast du Kühlschrank, Gefrierfach und Vorrat auf dem Handy – auch im Laden. Mit der Produktsuche siehst du direkt nach, ob noch Senf da ist, statt zu raten.

2. Ein grober Wochenplan reicht

Du musst nicht jede Mahlzeit durchplanen. Nach unserer Erfahrung genügt es, für 3–4 Abende eine ungefähre Idee zu haben (Erfahrungswert, keine Studienzahl). So weisst du, welche Zutaten du wirklich brauchst, und kaufst nicht ins Blaue. „Zu gut für die Tonne!“ gibt dazu einen praktischen Tipp: Plane ein Lebensmittel bewusst für mehrere Gerichte ein, dann bleibt am Ende der Woche weniger übrig. Plane ausserdem einen Abend ein, an dem du Lebensmittelreste verwertest. foodwaste.ch geht noch weiter und empfiehlt, ab und zu einen Einkauf bewusst auszulassen und stattdessen Reste und Vorräte aufzubrauchen.

Beispiel-Wochenplan mit Einkaufsliste

Ein Beispiel für einen Zwei-Personen-Haushalt nach dem Vorrats-Check. Lauch, Rahm und Ofengemüse werden bewusst zweimal genutzt:

AbendGerichtSchon daAuf die Liste
MontagLauch-RisottoReis, Bouillon, ParmesanLauch (für Montag und Dienstag)
DienstagPasta mit Lauch-Rahm-SaucePasta, Lauch vom MontagRahm
MittwochOfengemüse mit Feta (grössere Menge)Öl, GewürzeKartoffeln, Paprika, Zucchini, Feta
DonnerstagOmelett mit Ofengemüse vom Mittwoch und Rahm-RestEier (laut Vorrats-Check genug da)–
FreitagReste-Abendwas übrig ist–

Einkaufsliste: Lauch, Rahm, Kartoffeln, Paprika, Zucchini, Feta. Nicht auf der Liste: Reis, Pasta, Bouillon, Parmesan und Eier, denn die sind schon da. Genau diese zweite Zeile verhindert den Doppelkauf.

3. Mit Einkaufsliste – und dran halten

Eine Liste ist der einfachste Anti-Food-Waste-Trick, den es gibt. Sie hält dich bei dem, was du geplant hast, und schützt vor Spontankäufen, die später verderben. Auch das deutsche Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) nennt die Einkaufsliste als Grundregel, um nur zu kaufen, was du wirklich brauchst. Am besten funktioniert eine Liste, die du laufend ergänzt, sobald etwas ausgeht, statt erst hektisch vor dem Einkauf. „Zu gut für die Tonne!“ rät, regelmässig in Kühlschrank und Vorratsschrank nachzusehen, was fehlt und was zuerst verbraucht werden sollte.

Lebt ihr zu zweit oder als Familie, führt eine gemeinsame Liste. Wer etwas aufbraucht, trägt es ein, und wer einkauft, sieht, was schon erledigt ist. So kauft nicht jede Person für sich dasselbe nach.

4. Nie hungrig einkaufen

Mit knurrendem Magen wandert schnell mehr in den Wagen als geplant. foodwaste.ch warnt ausdrücklich, dass man hungrig mehr kauft als nötig. Iss vorher eine Kleinigkeit: Du kaufst gezielter, und für Ungeplantes ist im Wochenplan ohnehin keine Mahlzeit vorgesehen.

5. Aktionen und Grosspackungen ehrlich rechnen

„3 für 2“ ist nur ein Schnäppchen, wenn du wirklich alle drei isst. Angebote und Grosspackungen führen laut „Zu gut für die Tonne!“ oft zu Mehrkäufen, die im Müll landen. foodwaste.ch rät, Aktionen nur zu nutzen, wenn du das Produkt wirklich brauchst. Ein typischer Doppelkauf: Die Aktion lockt, obwohl zu Hause noch eine angebrochene Packung steht.

🧮 Die richtige Rechnung

Rechne pro tatsächlich gegessener Portion, nicht pro Kilopreis. Beispielrechnung „3 für 2“: Du zahlst zwei Packungen. Isst du alle drei, sparst du ein Drittel. Isst du zwei und wirfst eine weg, zahlst du pro gegessener Packung genau den Normalpreis und hast nichts gespart. Isst du nur eine, kostet sie dich doppelt so viel wie ohne Aktion. Grosspackungen lohnen sich bei Haltbarem (Reis, Konserven, Tiefkühlware). Bei Frischware lohnen sie sich nur, wenn du sie sicher aufbrauchst oder richtig einfrierst.

Echte Spar-Chancen ohne Abfallrisiko gibt es trotzdem: Brot vom Vortag ist laut „Zu gut für die Tonne!“ oft reduziert erhältlich, und foodwaste.ch empfiehlt Läden und Märkte, die „krummes“ Gemüse, Brot von gestern oder Produkte nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum verkaufen. Worauf du dabei achten musst, erklärt unser Ratgeber MHD vs. Verbrauchsdatum.

6. Kleiner und häufiger statt einmal riesig

Bei Frischware lohnt sich Zurückhaltung: Obst, Gemüse sowie Brot und Backwaren machen zusammen fast die Hälfte der vermeidbaren Haushaltsabfälle aus (35 % plus 13 %, BMLEH 2024). „Zu gut für die Tonne!“ empfiehlt, Frisches und leicht Verderbliches wie Fisch oder Fleisch erst zu kaufen, wenn du es brauchst. Obst und Gemüse halten bei passender Lagerung in Kühlschrank und Vorrat dagegen einige Tage. foodwaste.ch rät, besonders bei leicht verderblicher Ware überschaubare Mengen zu kaufen, und überlässt dir die Wahl zwischen einem Grosseinkauf pro Woche und mehreren kleinen.

Bei uns haben sich für Frischware zwei kleinere Einkäufe pro Woche bewährt (Erfahrungswert): Du kaufst näher am echten Bedarf und musst weniger lange im Voraus wissen, was du essen willst. Haltbare Vorräte darfst du dagegen ruhig seltener und in grösseren Mengen holen.

7. Saisonal und regional greifen

Saisonale Ware aus der Region hat kurze Transportwege. Laut BZfE kann sie deshalb in optimaler Reife geerntet werden und schmeckt meist besser. Auch foodwaste.ch empfiehlt, möglichst lokal und saisonal einzukaufen. Ein Blick auf den Saisonkalender lohnt sich also. Und keine Angst vor Schönheitsfehlern: Kleine Druckstellen an Obst und Gemüse sind laut „Zu gut für die Tonne!“ unbedenklich, du kannst sie mitessen oder wegschneiden.

Weniger kaufen ist das neue Sparen

Der beste Preisnachlass ist das Produkt, das du gar nicht erst wegwirfst. Wie viel Geld dabei im Spiel ist, zeigen die Zahlen der Behörden: In der Schweiz liegt das Sparpotenzial laut BAFU-Monitoring bei etwa 500–600 Franken pro Person und Jahr. In Österreich nennt das zuständige Ministerium rund 400 Euro pro Person für vermeidbare Lebensmittelabfälle im Haushalt. Wie viel davon du mit besserem Einkaufen holst, hängt von deinem Haushalt ab. Jeder vermiedene Doppelkauf zählt aber direkt. Was du zu Hause zusätzlich tun kannst, liest du in unseren 11 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung.

So hilft Kühlbär dabei

Kühlbär ist eine iPhone-App für den Überblick zwischen Einkauf und Kühlschrank. Sie nimmt dir das Planen nicht ab. Sie zeigt dir aber, was zu Hause liegt, damit du es nicht im Kopf behalten musst:

Bis 35 Artikel ist Kühlbär gratis. Was Premium zusätzlich bietet, steht auf der Preisseite.

Kühlbär App-Icon

Deine Einkaufsliste, die mitdenkt

Kühlbär führt Vorrat und Einkaufsliste an einem Ort und zeigt dir beim Scannen, wenn ein Produkt schon im Kühlschrank liegt. So kaufst du nur, was fehlt. Gratis bis 35 Artikel.

🍏 Kühlbär im App Store laden

Häufige Fragen

Wie kaufe ich ein, ohne Lebensmittel wegzuwerfen?

Prüf vor dem Einkauf Kühlschrank, Gefrierfach und Vorrat, plane grob die nächsten Tage und kauf nur, was auf der Liste steht. Genau diese Reihenfolge empfehlen auch foodwaste.ch und die deutsche Kampagne „Zu gut für die Tonne!“: erst nachschauen, dann planen, dann mit Liste einkaufen.

Wie vermeide ich Doppelkäufe?

Schau vor dem Einkauf nach, was schon da ist, und führ eine gemeinsame Liste, wenn ihr zu mehreren einkauft. foodwaste.ch nennt dafür eine Einkaufsliste, eine Einkaufs-App oder ein Foto vom offenen Kühlschrank. Bei Produkten, die du gern doppelt kaufst, hilft es, die vorhandene Menge gleich mit auf die Liste zu schreiben.

Lohnen sich Grosspackungen und Aktionen wirklich?

Nur, wenn du das Produkt sicher aufbrauchst oder haltbar machen kannst. Rechne pro gegessener Portion, nicht pro Kilopreis: Wirfst du bei „3 für 2“ eine Packung weg, zahlst du pro gegessener Packung den Normalpreis und hast nichts gespart. Bei Aktionen lieber zu Haltbarem oder Einfrierbarem greifen.

Wie oft sollte man einkaufen gehen?

Das hängt vom Haushalt ab. Für Frischware haben sich bei uns zwei kleinere Einkäufe pro Woche bewährt (Erfahrungswert), weil du näher am Bedarf kaufst. Fisch und Fleisch kaufst du am besten erst, wenn du sie brauchst; Haltbares darf seltener und in grösseren Mengen kommen.

Warum sollte man nicht hungrig einkaufen?

Wer hungrig einkauft, kauft laut foodwaste.ch mehr als nötig – und für Ungeplantes ist im Wochenplan keine Mahlzeit vorgesehen. Iss vorher eine Kleinigkeit und halte dich an deine Liste.

Wie viel Geld geht durch weggeworfene Lebensmittel verloren?

Für die Schweiz beziffert ein Monitoring im Auftrag des BAFU (2025) das Sparpotenzial auf etwa 500–600 Franken pro Person und Jahr. Für Österreich nennt das Ministerium BMLUK (2026) rund 400 Euro pro Person und Jahr für vermeidbare Lebensmittelabfälle im Haushalt. Für Deutschland gibt es keinen aktuellen Bundeswert; eine Hochrechnung des Landes Baden-Württemberg kommt für 2022 auf rund 105 Euro pro Kopf.

Quellen