Vorrat

Vorratsliste: So behältst du den Überblick und vermeidest Doppelkäufe

· Arik Wenger · Lesezeit ca. 10 Min.

Eine Vorratsliste ist eine einfache Bestandsliste: Sie zeigt, welche Lebensmittel du zu Hause hast, wie viel davon, wo sie liegen (Kühlschrank, Gefrierfach, Vorratsschrank) und wann sie ablaufen. Wer vor dem Einkauf auf diese Liste schaut, kauft nichts doppelt, und wer die Ablaufdaten mitführt, sieht rechtzeitig, was zuerst gegessen werden sollte. Auch die Kampagne „Zu gut für die Tonne!“ des deutschen Ernährungsministeriums rät, Vorräte regelmässig zu prüfen und eine Liste mit Lebensmitteln und Mengen anzulegen (BMLEH, 2026).

Der zweite Becher Rahm, die dritte Packung Reis, das Hackfleisch, das hinten im Kühlschrank vergessen ging: Viele Lebensmittel landen nicht im Abfall, weil jemand sie wegwerfen will, sondern weil niemand mehr an sie gedacht hat. Eine Vorratsliste setzt genau hier an. Hier erfährst du, was draufgehört, welche Form zu dir passt und wie die Liste aktuell bleibt – mit einer Vorlage zum Abschreiben.

Warum sich eine Vorratsliste lohnt

Ein grosser Teil der Lebensmittelverschwendung entsteht zu Hause, wie die offiziellen Zahlen zeigen:

LandLebensmittelabfall der Haushalte pro Person und JahrGeldwert pro Person und JahrQuelle
Schweiz80 kg vermeidbare Verluste (2024)etwa 500–600 CHF SparpotenzialBAFU/ZHAW, 2025
Deutschland74,5 kg (2022); Haushalte verursachen 58 % aller Lebensmittelabfälle (2023)rund 105 € vermeidbar (Hochrechnung für 2022)UBA, 2025; Ministerium Baden-Württemberg
Österreichrund 69 kg, davon rund 37 kg vermeidbar (2024)rund 400 € vermeidbarBMLUK, 2026

Die Länder zählen unterschiedlich: Die Schweiz erfasst nur vermeidbare Verluste und rechnet aus Sicht der Konsumierenden, inklusive Verlusten im Ausland bei importierten Produkten. Die Werte sind deshalb nicht direkt vergleichbar.

Das Hauptproblem ist nicht das Datum, sondern das Vergessen

Warum Haushalte Lebensmittel wegwerfen, hat eine Tagebuchstudie der GfK im Auftrag des deutschen Ernährungsministeriums untersucht (Erhebung 2020). Mehr als die Hälfte der vermeidbaren Abfälle (55 %) landete im Müll, weil die Lebensmittel verdorben, unappetitlich oder zu lange gelagert waren. 13 % wurden weggeworfen, weil zu viel oder zu grosse Packungen gekauft worden waren. Ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum war dagegen nur bei knapp 5 % der Hauptgrund. Meist liegt ein Lebensmittel also einfach zu lange unbemerkt herum. Die Verbraucherzentrale sieht eine Ursache im unübersichtlichen, vollen Kühlschrank, in dem Produkte vergessen werden.

Dazu kommen Doppelkäufe. Die Kampagne „Zu gut für die Tonne!“ bringt es auf ihrem Einkaufsblock auf den Punkt: Wer spontan kauft, kauft auch mal doppelt. Gründer Arik Wenger kennt beides aus eigener Erfahrung:

«Mir ist oft passiert, dass ich Sachen eingekauft habe, die ich schon im Kühlschrank hatte. Oder ich habe vergessen, dass etwas abläuft, und musste es dann wegwerfen. Deshalb habe ich Kühlbär gebaut: um Food Waste zu minimieren und Doppelkäufe zu vermeiden.»

Arik Wenger, Gründer von Kühlbär

Eine Vorratsliste bekämpft beide Ursachen: Sie zeigt dir vor dem Einkauf, was schon da ist, und im Alltag, was bald weg muss.

Was Fachstellen empfehlen

Fachstellen in allen drei Ländern raten im Kern dasselbe: erst nachsehen, was da ist, dann einkaufen. Sinngemäss zusammengefasst:

StelleLandEmpfehlung
Verein foodwaste.chCHVor dem Einkauf in Kühl- und Küchenschrank schauen; Einkaufsliste, Kühlschrankfoto oder Einkaufs-App nutzen, gerade in Mehrpersonenhaushalten gegen Doppeleinkäufe; Neues hinten, Altes vorne.
BAFU, Magazin «die umwelt» 4/2024CHVor dem Einkaufen den Kühlschrankinhalt prüfen, ein Foto als Gedankenstütze machen und eine Liste erstellen; Lebensmittel beschriften, die ältesten nach vorne.
„Zu gut für die Tonne!“ (BMLEH)DEEine Liste der Lebensmittel und Mengen anlegen, die in Kühlschrank, Vorratsschrank und Gefrierfach nicht fehlen sollten; Kühlschrank wöchentlich, Vorratsregal monatlich prüfen.
Umweltbundesamt (UBA)DEVor dem Einkaufen und Kochen einen Überblick über die Vorräte verschaffen; übersichtlich lagern, neue Ware nach hinten, ältere nach vorne.
Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)DEVorräte regelmässig kontrollieren, etwa vor jedem Wocheneinkauf; selbst Eingefrorenes mit Inhalt, Menge und Einfrierdatum beschriften.
VerbraucherzentraleDEVorräte regelmässig kontrollieren und einen Einkaufszettel verwenden.
BMLUK (Ministerium)ATVor dem Einkauf die Vorräte kontrollieren und eine Einkaufsliste schreiben.

Eine Vorratsliste macht aus diesem Rat eine Gewohnheit, die auch dann funktioniert, wenn du gerade nicht vor dem Kühlschrank stehst.

Was auf die Vorratsliste gehört

Fünf Spalten reichen. Mehr Details machen die Liste nicht besser, nur aufwendiger:

Vorlage: Vorratsliste zum Abschreiben

So kann eine Vorratsliste aussehen. Die Zeilen sind Beispiele, keine Empfehlung für Mengen oder Haltbarkeiten. Sortiere innerhalb jedes Orts nach Ablaufdatum, dann steht oben, was zuerst dran ist:

ProduktMengeOrtAblaufdatumGeöffnet am
Hackfleisch500 gKühlschrank15.10. (Verbrauchsdatum)–
Tomatensauce im Glas½ GlasKühlschrank–12.10.
Rahm1 BecherKühlschrank18.10.–
Joghurt nature3 StückKühlschrank22.10.–
Gemüsesuppe, selbst gekocht2 PortionenGefrierfacheingefroren am 05.10.–
Spinat, tiefgekühlt1 BeutelGefrierfach03/2027–
Reis½ PackVorrat11/202701.09.
Kichererbsen, Dose3 DosenVorrat2028–

Nicht auf die Liste müssen Salz, Gewürze und anderer Kleinkram, der lange hält. Ausnahme: Du kaufst etwas davon immer wieder doppelt.

Bestandsliste und Grundausstattung

Die Bestandsliste zeigt, was gerade da ist. Die Grundausstattung hält fest, was immer da sein soll. „Zu gut für die Tonne!“ schlägt dafür etwa Nudeln, Reis, Mehl, Konserven und Öl im Vorratsschrank vor, Eier, Käse, Milch und Butter im Kühlschrank sowie Tiefkühl-Gemüse im Gefrierfach, angepasst an die eigenen Gewohnheiten. Beides lässt sich verbinden: Notiere bei Grundprodukten eine Mindestmenge, etwa „Reis: mindestens 1 Pack“. Fällt der Bestand darunter, kommt das Produkt auf die Einkaufsliste.

Papier, Tabelle oder App: drei Wege im Vergleich

Die beste Vorratsliste ist die, die du tatsächlich pflegst. Jede Form hat ihre Stärken:

WegVorteileNachteilePasst, wenn …
Papier oder Magnetliste am KühlschrankSofort startklar und kostenlos; hängt dort, wo alle sie sehen; kein Gerät nötig.Im Laden nur als Foto dabei; wird durch Streichungen schnell unübersichtlich; erinnert nicht an Ablaufdaten.… du wenig Vorrat hast, meist allein einkaufst und ohne Technik auskommen willst.
TabellenkalkulationFrei anpassbar; nach Ablaufdatum oder Ort sortierbar; über einen Cloud-Speicher mit anderen teilbar.Eintippen am Handy ist mühsam; Ablaufdaten musst du selbst im Blick behalten; ohne feste Routine veraltet sie schnell.… du gern mit Tabellen arbeitest und einen grösseren Vorrat verwaltest, etwa mit Gefriertruhe oder Keller.
AppImmer dabei, auch im Laden; Erfassen per Barcode oder Foto statt Tippen; kann vor dem Ablauf erinnern und den Bestand mit anderen teilen.Braucht ein Smartphone und etwas Eingewöhnung; Gratisversionen sind oft begrenzt; auch eine App weiss nur, was du ein- und austrägst.… du unterwegs einkaufst, mit anderen zusammenlebst oder an Ablaufdaten erinnert werden willst.

Wer mit Papier startet, kann eine Schwäche leicht ausgleichen: Fotografiere die Liste vor dem Einkauf. Ein Foto vom Kühlschrank als Gedankenstütze empfehlen auch foodwaste.ch und das BAFU.

So hältst du die Vorratsliste aktuell

Eine Vorratsliste ist nur so gut wie ihr letzter Eintrag. Du brauchst dafür keine grosse Inventur, sondern drei kleine Gewohnheiten und einen kurzen Check pro Woche.

1. Nach dem Einkauf: beim Einräumen eintragen

Trag neue Artikel ein, während du sie versorgst; dann hast du die Packung mit dem Datum ohnehin in der Hand. Räum dabei Neues nach hinten und Älteres nach vorne. Dieses Prinzip „first in, first out“ empfehlen foodwaste.ch, das BAFU-Magazin «die umwelt» und das Umweltbundesamt. Wie du Regale und Behälter dafür einrichtest, zeigt der Ratgeber Vorratsschrank organisieren, welche Kühlschrank-Zone für was passt, der Ratgeber Lebensmittel richtig lagern.

2. Beim Verbrauchen: austragen oder Menge anpassen

Ist etwas aufgebraucht, streichst du es. Gehört es zur Grundausstattung, wandert es gleich auf die Einkaufsliste. Öffnest du eine Packung, notierst du das Datum.

3. Einmal pro Woche: der 5-Minuten-Check

Die Kampagne „Zu gut für die Tonne!“ empfiehlt, den Kühlschrank am besten wöchentlich und das Vorratsregal monatlich zu prüfen und alles, was bald aufgebraucht werden muss, auf einer Liste am Kühlschrank zu notieren.

⏱️ Beispiel-Routine: Wochen-Check in 5 Minuten

Die Minuten sind Richtwerte aus dem Alltag, keine Norm:

  1. Minute 1–2, Kühlschrank: Liste und Fächer vergleichen. Was nicht mehr da ist, streichen, was fehlt, nachtragen.
  2. Minute 3, Ablaufdaten: Was in den nächsten Tagen abläuft, markieren und für die nächsten Mahlzeiten einplanen. Ideen liefert der Ratgeber Reste verwerten.
  3. Minute 4, Gefrierfach: Stimmen die Einträge? Liegt etwas schon auffällig lange?
  4. Minute 5, Einkaufsliste: Was unter die Mindestmenge gefallen ist, kommt auf die Einkaufsliste.

Einmal im Monat nimmst du dir zusätzlich den Vorratsschrank vor. Dort hält vieles lange, deshalb fallen Doppelkäufe nach unserer Erfahrung oft erst spät auf.

4. Vor dem Einkauf: erst die Liste, dann der Laden

Der wichtigste Moment ist der Blick auf die Liste, bevor du losgehst. Laut Verbraucherzentrale zeigt eine gute Einkaufsliste nicht nur, was fehlt, sondern auch, was noch zu Hause ist. Wie du daraus Wochenplan und Einkaufsliste machst, liest du im Ratgeber Clever einkaufen und Geld sparen.

Vorratsliste mit Familie oder WG

Doppelkäufe passieren besonders leicht, wenn mehrere Personen einkaufen: Du weisst nicht, dass jemand gestern schon Eier mitgebracht hat. Nicht umsonst empfiehlt der Verein foodwaste.ch Liste, Kühlschrankfoto oder Einkaufs-App gerade Mehrpersonenhaushalten. Für die Vorratsliste heisst das:

Das sind Vorschläge; wichtig ist nur, dass alle dieselben Regeln kennen.

Typische Fehler – und was hilft

Die folgenden Punkte sind Erfahrungswerte aus dem Alltag, keine Studienergebnisse:

So hilft Kühlbär dabei

Kühlbär ist eine iPhone-App, die deine Vorratsliste führt. Die Routine bleibt bei dir, einen Teil der Schreibarbeit übernimmt die App:

Kühlbär funktioniert ohne Konto und offline. Bis 35 Artikel ist die App gratis; Premium kostet CHF 3 pro Monat oder CHF 25 pro Jahr (2,99 € bzw. 24,99 €). Details stehen auf der Preisseite.

Kühlbär App-Icon

Deine Vorratsliste immer dabei

Kühlbär führt Kühlschrank, Gefrierfach und Vorrat getrennt, erinnert vor dem Ablauf und zeigt dir beim Scannen im Laden, wenn ein Produkt schon erfasst ist. Gratis bis 35 Artikel.

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Häufige Fragen

Was ist eine Vorratsliste?

Eine Vorratsliste ist eine Bestandsliste der Lebensmittel, die du zu Hause hast, mit Menge, Lagerort und Ablaufdatum. Sie zeigt dir vor dem Einkauf, was schon da ist, und im Alltag, was bald gegessen werden sollte.

Was gehört auf eine Vorratsliste?

Produkt, Menge, Ort (Kühlschrank, Gefrierfach oder Vorratsschrank) und Ablaufdatum, bei angebrochenen Packungen zusätzlich das Datum des Öffnens. Gewürze und Kleinkram lässt du besser weg, sonst wird die Pflege zu aufwendig.

Wie oft sollte ich die Vorratsliste aktualisieren?

Am einfachsten direkt beim Einräumen nach dem Einkauf und beim Verbrauchen. Dazu kommt ein kurzer Abgleich: Die Kampagne „Zu gut für die Tonne!“ des deutschen Ernährungsministeriums empfiehlt, den Kühlschrank wöchentlich und das Vorratsregal monatlich zu prüfen.

Wie hilft eine Vorratsliste gegen Doppelkäufe?

Du kaufst nicht mehr aus dem Gedächtnis ein: Ein Blick auf die Liste zeigt, ob Rahm, Reis oder Eier noch da sind. Damit das im Laden klappt, muss die Liste dabei sein, als Foto, als Tabelle auf dem Handy oder in einer App. Der Verein foodwaste.ch empfiehlt Liste, Kühlschrankfoto oder Einkaufs-App gerade Haushalten mit mehreren Personen, um Doppeleinkäufe zu vermeiden.

Gibt es eine Vorlage für eine Vorratsliste?

Ja, in diesem Artikel findest du eine Vorlage mit Beispielzeilen und den Spalten Produkt, Menge, Ort, Ablaufdatum und Geöffnet am. Du kannst sie auf Papier abschreiben oder in eine Tabellenkalkulation übernehmen.

Ist eine Vorratsliste auf Papier oder in einer App besser?

Papier ist sofort startklar und für alle sichtbar, ist im Laden aber nicht dabei und erinnert nicht an Ablaufdaten. Eine App hast du immer dabei, sie kann vor dem Ablauf erinnern und den Bestand mit anderen teilen, braucht aber ein Smartphone und etwas Eingewöhnung. Entscheidend ist, welche Form du tatsächlich pflegst.

Gehört das Gefrierfach auch auf die Vorratsliste?

Ja. Was eingefroren ist, sieht man von aussen kaum und vergisst es deshalb leicht. Notiere bei Selbsteingefrorenem den Inhalt, die Menge und das Einfrierdatum, also genau die Angaben, mit denen das deutsche Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) Gefriergut zu beschriften empfiehlt.

Quellen